Heimische Wildpflanzen

Warum heimische Pflanzen fragt ihr euch vielleicht? An eure exotischen Pflanzen aus Amerika oder Asien kommen doch so viele Hummeln und Honigbienen! Wir wollen doch Bienen fördern oder nicht?

Wen fördern wir und warum?

Zum Einen sind Honigbienen, im Gegensatz zu unseren Wildbienen, nicht gefährdet und Nutztiere. Zum anderen sind sie Generalisten. Das heißt sie sind nicht wählerisch bei Blüten. Das macht sie, genau so wie Hummeln, nicht zu guten Markern vom Wert einer Blüte oder Pflanze. Diese Insekten werden auch polylektisch genannt. Genau diese Insekten können genauso gut heimische Pflanzen besuchen – von denen profitieren noch viel mehr Insekten und Vögel.

Fast jede Blüte wird besucht, aber von wem ist viel wichtiger – unsere heimischen Bestäuber sind da nämlich oft sehr viel wählerischer – oligolektisch nennt sich das. Für die eigene Ernährung der erwachsenen Wildbienen spielt das nicht so eine große Rolle, aber für die Ernährung ihres Nachwuchses! Dafür benötigen oligolektische Wildbienen entweder eine einzige Pflanzenart oder -familie.

Ein Beispiel dafür ist zB die Weiden-Sandbiene – Andrena vaga, sie ist, wie der Name schon zeigt, auf Weiden (Salix sp) spezialisiert. Hier seht ihr sie an meiner Salweide.

Viele oligolektischen Bienen tragen „ihre“ Pflanze im Namen (z.B. Glockenblumen-Scherenbiene, Natternkopf-Mauerbiene usw).

Hier könnt ihr nachsehen, welche oligolektischen Bienen es in Deutschland gibt.

Und dann noch eine Überraschung – Bestäuber sind ein minimaler – aber sehr sichtbarer Teil unserer Insektenwelt. Die anderen sind deutlich verborgener und auch sie sind oft spezialisiert auf heimische Pflanzen und können mit Neophyten nichts anfangen. Es gibt Insekten, die sind Saftsauger, Wurzelfresser, Blattminierer, Blattfresser und vieles mehr.

Unsere heimischen Insekten und auch andere Wildtiere haben sich über Jahrhunderte und länger aufeinander eingespielt – sie bilden ein stark vernetztes Nahrungsgeflecht. Sie sind voneinander abhängig.

Nicht heimische Pflanzen können da nicht mit halten. Ihr Wert ist einfach geringer, da sie fast nie spezialisierte Tiere ansprechen.

Gibt es da auch Quellen zu?

Es wurde auch eine Studie zu dem Thema durchgeführt und gezeigt, dass Insekten heimische Pflanzen deutlich bevorzugen: die Home Sweet Home Studie.

„Heimische Wildpflanzen wurden mit 67% aller Blütenbesuche signifikant häufiger besucht als verwandte nichtheimische Pflanzen (24%) und nicht verwandte exotische Pflanzen (9%).“

Ich finde, das sind schon sehr gute Argumente für heimische Pflanzen, wenn mir die Tierwelt wichtig ist.

Archäo- Was?!

Ich mag es ja niedrigschwellig und einfach zu verstehen. Aber manche Begriffe sind wichtig zu klären und tauchen in Naturgartenkreisen immer wieder auf.

Das ist einmal der Neophyt, der invasive Neophyt und der Archäophyt. Und zu guter Letzt noch die indigenen, die heimischen Pflanzen.

Phyt phyt, du verstehst nur Bahnhof? Ich am Anfang auch, keine Sorge.

Ich gebe euch ein Kurzzusammenfassung vom Bundesamt für Naturschutz, dort könnt ihr auch den ganzen Artikel lesen.

EInheimisch / Indigen: Pflanzen, die in Deutschland seit dem Ende der letzten Eiszeit vorhanden sind, es aus eigener Kraft besiedelt haben oder hier entstanden sind. 

Archäophyten: Gebietsfremde Arten, die bereits in früheren Zeiten (vor 1492) dauerhaft in unsere freie Natur eingebracht wurden (z.B. mit dem Beginn des Ackerbaus in der Jungsteinzeit oder durch den Handel der Römer).

Neophyten: Gebietsfremde Arten, die vor 1492 z.B. als Gartenpflanze eingeführt worden sind, sich jedoch damals nicht in freier Natur etablieren konnten.

Invasive Neophyten: Pflanzen, die unerwünschte Auswirkungen auf andere Arten, Lebensgemeinschaften oder Biotope haben. So treten invasive Arten z.B. mit einheimischen Arten in Konkurrenz um Lebensraum und Ressourcen und verdrängen diese.

Wenn ihr wissen wollt welche Pflanzen invasiv sind, könnt ihr hier nachschauen: Handbuch Invasiver Neophyten.

Du kannst bei NaturaDB nachschauen und bei FloraWeb, ob bestimmte Pflanzen bei dir vorkommen oder heimisch sind.

Wie heimisch solls denn sein?

Es gibt auch im Naturgarten Bereich in Deutschland verschiedene Lager. Einigen reicht es wenn die Pflanzen aus Europa stammen, andere möchten nur Pflanzen, die in Deutschland heimisch sind und manche versuchen ausschließlich gebietsheimische Pflanzen zu setzen (Pflanzen die ursprünglich in der Region vorkommen).

Dabei geht es teilweise heiß her und es wird viel diskutiert. Ich hab auch oft den Eindruck, dass Botaniker*innen, Entomolog*innen (Insektenforscher*innen), Herpetolog*innen (Amphiebienforscher) unterschiedliche Vorstellungen und Wünsche haben.

Und im Hortus Chiroptera?

Ein Garten ist keine freie Natur, er ist ein von Menschen geschaffener Raum.

Ich versuche mich immer weiterzubilden und lese aus verschiedensten Quellen und bilde mir meine Meinung. In meinem Garten gibt es über 90% in Deutschland heimische Pflanzen und ich versuche auch mehr auf gebietsheimische Pflanzen zu achten.

Diese dann auch tatsächlich als Saatgut oder fertige Pflanzen zu finden, ist nicht immer einfach. Ich versuche es daher mit einem für mich sinnvollen Mix. Wenn es möglich ist die Pflanzen gebietsheimisch zu bekommen, dann kommen die in meinen Garten. Wenn ich regionales Saatgut bekommen kann, dann säe ich das. Wenn das nicht möglich ich, versuche ich zu gucken, dass die Pflanzen in meiner Region vorkommen.

Aber auch da gibt es ein paar Ausnahmen, ich habe zB eine Steinweichsel (Prunus mahaleb) gepflanzt, da dies einer der Lieblingspflanzen des Segelfalters zur Ei-Ablage ist. Die ist bei uns nicht gebietsheimisch.

Auch bei den Frühlingsblühern (solange nicht invasiv) habe ich viele, die nicht heimisch sind. Zu Beginn des Jahres sind viele Generalisten unterwegs. Und die Zwiebeln ziehen wieder ein, nehmen also keinen Platz weg für andere Pflanzen.

Bei besonderen Projekten, wie zB der Trockenmauer habe ich auch Pflanzen genommen, die eher im Süden, in den Bergen vorkommen. Berge in Brandenburg sind eher Mangelware. Da weiß ich aber auch, dass die spezialisierten Insekten nicht aus den Alpen geflattert kommen, um an meiner Pflanze zu fressen.

Ich möchte allerdings in meinem Garten keinen Platz an Pflanzen verschenken, die aus Übersee kommen. Da bin ich konsequent.

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